Interview in der Wetterauer Zeitung

Interview

Rechte bleiben Problem in der Wetterau

Der stellvertretende Vorsitzende Manfred Linss über das heutige Festival auf dem Sportplatz in Gettenau Echzell  

Heute will Echzell mit einem Festival erneut ein Zeichen gegen Rechts setzen. Der »Schlitzer« und sein Umfeld hatten im vergangenen Jahr den Ausschlag für das erste Festival gegeben - aber er sitzt seit gut vier Wochen in Haft. Der Verein »Grätsche gegen Rechtsaußen« will das Fest trotzdem veranstalten. Es gebe keinen Grund zur Entwarnung, sagt der stellvertretende Vorsitzende Manfred Linss. 

Herr Linss, wieso organisieren Sie zum zweiten Mal ein Festival gegen Rechtsextremismus?

Manfred Linss: »Obwohl der Leitwolf der Truppe fehlt, finden weiter Aktivitäten der  Rechten  statt. Die machen jetzt mehr intern, nur die Bedrohungen der Nachbarn sind weniger geworden. Es ist ruhiger geworden, aber es ist nicht vorbei. Wir richten uns mit den Festival nicht nur gegen Rechte in Echzell, sondern in der gesamten Wetterau. Nur weil einer hinter Gittern verschwindet, ist das Problem insgesamt nicht weniger geworden.«  

Ist Rechtsextremismus besonders in der Wetterau ein Problem?  

Linss: »Zweifellos gibt es in der Wetterau Rechtsextreme. Aber die gibt es auch in anderen Orten in Deutschland. Gerade der Osten der Wetterau ist sehr strukturschwach. Die Arbeitslosigkeit ist dort besonders hoch, und es gibt beispielsweise wenig Ärzte und kaum Vereine, die sich um Jugendliche kümmern. Dann sind junge Leute für rechte Rattenfänger, die sich gegen eine tolerante Gesellschaft und die Grundwerte der Demokratie aussprechen, besonders empfänglich.«

Wollen Sie das Fest im kommenden Jahr wiederholen?

Linss: »Wir wollen nicht jedes Jahr ein Festival machen. Wir werden in diesem Jahr mit etwa 10.000 Euro vom Programm »Toleranz fördern - Kompetenz stärken« des Familienministeriums unterstützt. Nächstes Jahr könnten ähnliche Feste in anderen Gemeinden in der Wetterau stattfinden. Wir haben kein Dauerabo auf die Projektgelder. Unser Verein könnte auch zivilgesellschaftliche Gruppen aus anderen Regionen bei der Planung unterstützen.«

Interview mit der Wetterauer Zeitung vom 6. August 2011 

  

 
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