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Tag des ehrenamtsEhrenamtspreis Wetterauer SPD zeichnet Vereine aus Limeshain, Echzell und Assenheim aus

Seit 2001 würdigt die SPD Wetterau besonderes ehrenamtliches Engagement in Vereinen und Organisationen mit einem Preis. In diesem Jahr wurden drei Vereine aus Limeshain, Echzell und Assenheim für historische, kulturelle und politische Projekte geehrt.

Landrat Joachim Arnold betonte die Bedeutung des Ehrenamts für die Gesellschaft. Die Kommunen seien finanziell nicht in der Lage, vieles zu bezahlen, was von Bürgern freiwillig geleistet werde. Wichtiger sei jedoch, dass die Menschen in der Region mehr Kreativität und Kompetenz für ihre Bedürfnisse entwickelten, als es eine Verwaltung könne. Die drei ausgezeichneten Projekte zeigten, wie das Zusammenwirken von engagierten Bürgern und Kommunen dazu beitragen könne, das Zusammenleben der Menschen zu verbessern.

Der Geschichts- und Kulturverein Limeshain wurde unter anderem für seine Rekonstruktion eines Limeswachtturms ausgezeichnet. Möglich wurde das Projekt durch das außergewöhnliche Engagement der Mitglieder. Aber auch die Gemeinde, allen voran Bürgermeister Adolf Ludwig, ließ nie einen Zweifel daran, dass sie die Rekonstruktion mitträgt.

Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl skizzierte in ihrer Laudatio die verschiedenen Stationen von der Vereinsgründung über erste Aktionen bis zum fertigen Turm. Sie wies darauf hin, dass dieser als einziger der Limeswachttürme, die an der Grenzlinie wieder aufgebaut worden seien, konsequent mit Arbeitstechniken und -materialien der Römer errichtet worden sei. Sie habe den Turm in der Entstehungszeit mehrmals mit ihrer Familie, aber auch mit politischen Freunden besucht. „Immer wieder konnte ich die Begeisterung der Mitglieder und Besucher erleben“, erklärte sie. „Das macht den besonderen Charakter dieses Vereins aus.“

Vorsitzende Stine Kockrick berichtete, dass die Mitglieder in den 90er Jahren noch belächelt worden seien für die Idee, einen Wachtturm zu rekonstruieren und Tourismus nach Limeshain zu bringen. „Wir hatten keine Ahnung, dass wir in so kurzer Zeit die Eröffnung feiern konnten“, wundert sie sich noch heute, welche Dynamik das Projekt entwickelt hat.

„Wir werden in der Zukunft und den nächsten Jahren zeigen, dass wir dieses Ehrenamtspreises würdig sind“, versprach sie. Weitere Projekte seien bereits in Planung. „Kommen Sie zu uns nach Limeshain, wir sind einen Ausflug wert“, rief sie die Besucher auf.

Die „Grätsche gegen Rechtsaußen“ aus Echzell sei ein Verein, „von dem ich wünschte, dass er nicht nötig wäre“, bemerkte Dr. Matthias Görlach in seiner Laudatio. Denn entstanden war der Verein aus dem Engagement der Bürger gegen den Zuzug von Rechtsradikalen in ihre Gemeinde. Die Aktionen der „Grätsche gegen Rechtsaußen“ hätten nicht nur gezeigt, dass es in Echzell entschiedenen Widerstand gegen Extremismus und Intoleranz gebe. Sie hätten auch den Erfolg gehabt, dass die Strukturen, die dort von Rechtsradikalen aufgebaut werden sollten, schnell wieder zerfielen.

Der Verein werde ausgezeichnet, weil er das Grundproblem, das hinter dem Auftauchen von Rechtsradikalen stehe, erkannt habe und weiter bearbeite. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen kläre die „Grätsche gegen Rechtsaußen“ über rechtsradikale Tendenzen und rechtes Gedankengut auf. „Ich halte insbesondere den Kontakt mit anderen Vereinen, gerade den Sportvereinen, die in unserer Gesellschaft noch am ehesten als Ansprechpartner für die heranwachsende Generation fungieren, für extrem wichtig“, betonte Görlach.

Vorsitzender Manfred Linss wies darauf hin, dass „angesichts des Vormarschs der rechten Populisten in Europa und der Wetterau“ die Aufklärung nötiger denn je sei. „Kleinigkeiten, die in Richtung Rechtsextremismus gehen“, seien im Alltag überall anzutreffen. Seine Vorgängerin Olivia Bickerle dankte ausdrücklich Gnadl, die den Verein von Anfang an begleitet und unterstützt habe. „Es hat in der Vergangenheit für uns in Echzell körperliche und psychische Repressalien gegeben“, betonte sie die Belastungen durch die Vereinsarbeit. Die Auszeichnung mit dem Ehrenamtspreis mache Mut, weiterzuarbeiten.

 Laudator Jochen Schmitt wunderte sich, dass er die Arbeit des Vereins „Kunst & Kommunales“ im benachbarten Assenheim lange nicht bemerkt habe, obwohl er schon 44 Jahre in Karben wohne. Man müsse manchmal über den Tellerrrand schauen, um Neues zu entdecken. Vielfältig bereichere der Verein das kulturelle Leben in der südlichen Wetterau. Dazu gehörten Kunstausstellungen und Diskussionsrunden in der ehemaligen Synagoge, Lesungen, die Aufarbeitung der Altstadtkultur, aber auch die Vorstellung fremdländischer Kulturen, das Altstadtfest und der Niddataler Weihnachtsmarkt. „Ihre Arbeit ist für mich Beleg, dass auch in kleineren Kommunen ein facettenreiches kulturelles Leben möglich ist“, lobte Schmitt.

 

© Kreis-Anzeiger  23.11.2013

 

 
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