Wetterauer Zeitung - SPD-Ehrenamtspreise für drei Vereine

Tag des ehrenamtsSeit 2001 würdigt die Wetterauer SPD ehrenamtliches Engagement von Vereinen und Organisationen mit einem Preis. In diesem Jahr wurden gleich drei Vereine für historische, kulturelle und politische Projekte geehrt: Der Geschichts- und Kulturverein Limeshain, der Niddataler »Kulturelles & Kommunales« sowie die »Grätsche gegen Rechtsaußen« aus Echzell.

Die Auszeichnung ist den Ehrenamtlichen am Donnerstagabend im Kurhaus in Bad Salzhausen verliehen worden. Landrat Joachim Arnold betonte während der Ehrung die Bedeutung des Ehrenamts für die Gesellschaft. Die Kommunen seien finanziell nicht in der Lage, vieles, was von Bürgern freiwillig geleistet werde, zu bezahlen. Noch wichtiger aber sei, dass die Menschen in der Region mehr Kreativität und Kompetenz für ihre Bedürfnisse entwickelten, als es eine Verwaltung könne. Die drei mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichneten Projekte zeigten, wie dazu beigetragen werden könne, das Zusammenleben der Menschen zu verbessern.

SPD-Mann Jochen Schmitt berichtete, obwohl er bereits 44 Jahre in Karben wohnt, habe er die Arbeit des Vereins »Kulturelles & Kommunales« (KUK) im benachbarten Niddatal viele Jahre nicht bemerkt. An einem Sonntagmorgen im Sommer dieses Jahres sei er auf das durch den KUK-Assenheim organisierte Frühstück an der Nidda gestoßen. Er habe erfahren, wie vielfältig der Verein das kulturelle Leben in der südlichen Wetterau bereichere. Die Mitglieder organisierten Kunstausstellungen und Diskussionsrunden, Lesungen, die Aufarbeitung der Altstadtkultur und die Vorstellung fremder Kulturen unter dem Motto »Vielfalt statt Einfalt«. Mit dem Assenheimer Altstadtfest und dem Niddataler Weihnachtsmarkt trage der KUK genauso zur Belebung der Region und Begegnung von Menschen bei wie mit dem inzwischen traditionellen Gänseschmaus im November. Zudem kämen Verschönerungsaktionen in der Gemeinde, etwa die Bepflanzung von Blumenkästen, die Pflege alter und die Anlage neuer Alleen oder die Erhaltung kultureller Werte.

»Ihre Arbeit ist für mich Beleg, dass auch in kleineren Kommunen ein facettenreiches, politisches und kulturelles Leben möglich ist«, lobte Schmitt. Der KUK biete trotz fehlender öffentlicher Mittel den Bürgern eine Bereicherung des öffentlichen Lebens. Renate Hofmann, Vorsitzende des Vereins, dankte für die Auszeichnung für 13 Jahre des kulturellen aber auch künstlerischen Schaffens. Das sei Anreiz, »das mindestens noch 13 Jahre« zu tun.

Auch die »Grätsche gegen Rechtsaußen« aus Echzell wurde geehrt – ein Verein, »von dem ich wünschte, dass er nicht nötig wäre«, sagte Dr. Matthias Görlach. Entstanden war der Verein aus dem Gedanken heraus, etwas gegen den Zuzug von Rechtsradikalen zu unternehmen. Die Aktionen der »Grätsche gegen Rechtsaußen« hätten nicht nur gezeigt, dass es in Echzell entschiedenen Widerstand gegen Extremismus und Intoleranz gebe. Sie hätten auch den Erfolg gehabt, dass die Strukturen, die dort von Rechtsradikalen aufgebaut werden sollten, schnell wieder zerfielen, berichtete Görlach. Der Verein werde ausgezeichnet, weil er das Grundproblem, das hinter dem Auftauchen von Rechtsradikalen stehe, erkannt habe und weiter bearbeite. Durch Zusammenarbeit mit anderen Vereinen kläre die »Grätsche« über rechtsradikale Tendenzen und Gedanken auf.

Der Vorsitzende des Vereins, Manfred Linss, wies darauf hin, dass »angesichts des Vormarschs der rechten Populisten in Europa und der Wetterau« die Aufklärung nötiger denn je sei. »Kleinigkeiten, die in Richtung Rechtsextremismus gehen«, seien im Alltag überall anzutreffen. Seine Vorgängerin als Vorsitzende, Olivia Bickerle, dankte SPD-Landtagsabgeordneter Lisa Gnadl, die den Verein von Anfang an begleitet und unterstützt habe. »Es hat in der Vergangenheit für uns in Echzell körperliche und psychische Repressalien gegeben«, erinnerte sie. Die Auszeichnung mache Mut, weiterzuarbeiten.

Der Geschichts- und Kulturverein Limeshain wurde unter anderem für seine Rekonstruktion eines Limeswachturms ausgezeichnet. Möglich wurde das Projekt durch das Engagement der Mitglieder. Aber auch durch die Gemeinde, die nie einen Zweifel daran aufkommen ließ, dass sie das Projekt mitträgt. So war Bürgermeister Adolf Ludwig bei der Einweihung in germanischer Gewandung erschienen.

Lisa Gnadl skizzierte in ihrer Laudatio die verschiedenen Stationen – von der Vereinsgründung, über erste Aktionen bis zum fertigen Turm. Sie wies darauf hin, dass der Turm als einziger der Limeswachtürme, die an der Grenzlinie wieder aufgebaut worden seien, konsequent in alten Arbeitstechniken und -materialien errichtet worden sei. Sie habe den Turm in der Entstehungszeit mehrmals mit ihrer Familie und mit politischen Freunden besucht. »Immer wieder konnte ich die große Begeisterung der Mitglieder und Besucher erleben«, sagte Gnadl. »Das macht den besonderen Charakter des Vereins aus.«

 Die Vorsitzende des Vereins, Stine Kockrick, erwiderte, die Mitglieder seien in den 1990er Jahren noch für die Idee belächelt worden, einen Wachturm zu rekonstruieren. »Wir hatten keine Ahnung, dass wir in so kurzer Zeit die Eröffnung feiern konnten«, sagte sie. »Wir werden in der Zukunft und den nächsten Jahren zeigen, dass wir dieses Ehrenamtspreises würdig sind«, versprach Kockrick. Weitere Projekte seien bereits in Planung. »Kommen Sie zu uns nach Limeshain, wir sind einen Ausflug wert.«

 

© Wetterauer Zeitung  24.11.2013

 

 

 
Copyright© 2011 Grätsche gegen Rechtsaussen - Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins